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MANIFESTO 2026

LUNASON FOR THE MUSIC OF OUR TIME KLANG · MATERIE · RAUM · FORSCHUNG · PRAXIS Musik verändert sich. Und mit ihr müssen sich auch ihre Instrumente verändern. Wir entwickeln Instrumente, Klangkörper, Resonanzräume und künstlerische Formate für eine musikalische Gegenwart, die nicht allein auf das zurückgreifen kann, was bereits existiert. Wir suchen nach neuen Beziehungen zwischen Klang und Materie, zwischen Musiker und Instrument, zwischen Raum und Wahrnehmung. Dabei verstehen wir Instrumentenbau nicht als abgeschlossene Disziplin. Er ist Ausgangspunkt einer offenen künstlerischen Forschung. Ein neues Instrument bedeutet für uns nicht einfach einen neuen Klang. Es bedeutet eine neue Möglichkeit des Hörens. DER METASONIC SOUND Im Zentrum von LUNASON steht der Metasonic Sound. Er beginnt dort, wo Material zu Klang wird. Die Metasonic Instruments bringen metallische Klangkörper mit ihren charakteristischen Eigenresonanzen und komplexen Obertonspektren zum Schwingen. Die Metasonic Strings übertragen dieses Prinzip auf die Welt der Streichinstrumente und öffnen neue Resonanz- und Klangräume. Mit den Metasonic Resonators verlässt der Klang schließlich das einzelne Instrument. Flächen und Körper beginnen selbst zu schwingen, tragen den Klang weiter, verändern ihn und machen ihn räumlich erfahrbar. So entsteht der Metasonic Sound aus dem Zusammenspiel von Material, Instrument, Resonanz und Raum. Nicht als Stil. Nicht als Effekt. Sondern als eine neue Art, Klang zu denken und zu erleben. INSTRUMENTE UNSERER ZEIT Unsere Instrumente entstehen nicht aus dem Wunsch, bestehende Instrumente zu ersetzen. Sie erweitern das verfügbare Instrumentarium. Metasonic Strings, Percussion Instruments und weitere neu entwickelte Klangkörper eröffnen Spielweisen, Resonanzen und musikalische Situationen, für die traditionelle Instrumentenkategorien oftmals nicht ausreichen. Manche Entwicklungen knüpfen an jahrhundertealte Prinzipien an. Andere entstehen aus Materialien, Konstruktionen und Technologien unserer Gegenwart. Entscheidend ist nicht das Neue um seiner selbst willen. Entscheidend ist, ob daraus eine musikalische Notwendigkeit entsteht. Ein Instrument muss Widerstand besitzen. Es muss entdeckt werden können. Es muss Fragen stellen. Erst im Spiel beginnt es zu leben. Die Musikerinnen und Musiker sind deshalb nicht bloß Anwender unserer Instrumente. Sie sind Entdecker ihrer Möglichkeiten. Durch ihre Körperlichkeit, ihre Erfahrung, ihre Neugier und ihre musikalische Vorstellungskraft verändern und erweitern sie das Instrument. Instrumentenentwicklung bleibt deshalb bei LUNASON niemals vollständig abgeschlossen. Jedes Instrument trägt eine Zukunft in sich. METASONIC RESONATORS Mit den Metasonic Resonators erweitert sich der Begriff des Instruments. Nicht nur das Objekt, das gespielt wird, erzeugt Klang. Auch der Körper, der ihn aufnimmt, verändert, verstärkt und in den Raum projiziert, wird Teil des musikalischen Geschehens. Resonanzkörper werden zu Instrumenten. Flächen, Hohlkörper, geometrische Formen und unterschiedliche Materialien besitzen jeweils ein eigenes akustisches Verhalten. Durch elektronische Anregung können sie selbst zu klingender Materie werden. Damit entsteht eine neue Verbindung zwischen akustischer und elektronischer Klangwelt. Elektronisch erzeugter Klang wird wieder körperlich. Er verlässt den konventionellen Lautsprecher und begegnet Material. Metall beginnt zu sprechen. Eine Fläche beginnt zu schwingen. Ein Körper wird Klangquelle. So entsteht ein Instrumentarium, in dem akustischer Klang, elektronische Transformation und räumliche Projektion nicht getrennt gedacht werden. Der Raum selbst wird Teil des Instruments. MUSIK BRAUCHT RAUM Deshalb verstehen wir LUNASON nicht nur als Instrumentenentwicklung, sondern auch als Erforschung von Klangprojektion, Resonanz und räumlicher Wahrnehmung. Wo entsteht ein Klang? Wo wird er wahrgenommen? Wie verändert sich musikalische Nähe, wenn Klang aus verschiedenen Körpern und Richtungen kommt? Wie verändert sich eine Komposition, wenn der Raum nicht bloß Aufführungsort, sondern aktiver Teil des Werkes ist? Die Verbindung von Instrumenten und Metasonic Resonators eröffnet neue Möglichkeiten für Komposition, Installation, Konzert und Musiktheater. Musik kann sich bewegen. Sie kann einen Raum durchqueren. Sie kann den Zuhörer umgeben. LUNASON STUDIOS Die LUNASON Studios sind der physische Ort dieser Arbeit. Werkstatt, Labor, Studio, Archiv, Proberaum, Begegnungsort und Denkraum treffen hier aufeinander. Instrumente werden entwickelt, getestet, gespielt und dokumentiert. Musikerinnen und Musiker begegnen neuen Klangkörpern. Komponistinnen und Komponisten können experimentieren, bevor sie entscheiden, wie sie ein Instrument in einem Werk einsetzen. Hier soll etwas möglich sein, das im normalen Produktionsbetrieb selten Platz findet: Zeit. Zeit zum Hören. Zeit zum Ausprobieren. Zeit zum Scheitern. Zeit zum Verändern. Zeit zum Entdecken. Denn künstlerische Forschung braucht Räume, in denen noch nicht vorher feststeht, was am Ende entstehen wird. ARTISTIC RESEARCH LUNASON versteht Instrumentenentwicklung als Artistic Research. Wir untersuchen Klang nicht ausschließlich theoretisch. Wir untersuchen ihn durch das Herstellen, Spielen und Hören. Eine Materialstärke kann eine Forschungsfrage sein. Ein Vibrato kann eine Forschungsfrage sein. Die Abstrahlung einer Metallfläche kann eine Forschungsfrage sein. Die Beziehung zwischen einem Musiker und einem neuen Instrument kann eine Forschungsfrage sein. Diese Erkenntnisse werden in Texten, Reflexionen, Analysen, Skizzen, Messungen, Aufnahmen und künstlerischen Arbeiten festgehalten. Theorie und Praxis sind dabei keine Gegensätze. Das Wissen entsteht aus ihrer Verbindung. DOCUMENTATION & ANALYSIS Neue Instrumente brauchen eine eigene Dokumentationskultur. Deshalb dokumentiert LUNASON nicht nur fertige Ergebnisse, sondern auch ihre Entstehung. Materialien. Prototypen. Konstruktionen. Spieltechniken. Klangverhalten. Fehlversuche. Weiterentwicklungen. Erfahrungen von Musikerinnen und Musikern. Dokumentation bedeutet für uns nicht lediglich Archivierung. Sie macht Entwicklung nachvollziehbar und schafft Wissen, auf dem zukünftige Arbeit aufbauen kann. Analyse wiederum versucht, das Hörbare aus unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen: musikalisch, akustisch, instrumentenkundlich, technisch und künstlerisch. Damit entsteht nach und nach ein Wissenskörper über ein Instrumentarium, dessen Geschichte gerade erst geschrieben wird. LUNASON EDITIONS Mit den LUNASON Editions erhält dieses Wissen eine Form. Musik, Forschung, Analyse und Dokumentation werden veröffentlicht und zugänglich gemacht. Partituren stehen dabei neben Essays. Künstlerische Arbeiten neben Studien. Instrumentendokumentationen neben neuen Kompositionen. Die Editions verstehen sich deshalb nicht ausschließlich als Musikverlag. Sie sind ein Archiv einer sich entwickelnden musikalischen Praxis. Sie dokumentieren, was mit den Instrumenten entsteht – und zugleich das Denken, Forschen und Experimentieren, das diese Entwicklungen begleitet. Denn neue Instrumente brauchen nicht nur neue Musik. Sie brauchen Wissen. LUNASON ACADEMIA Wissen gewinnt Bedeutung, wenn es weitergegeben wird. Die LUNASON Academia verbindet deshalb Forschung, Education und Artistic Practice. Kurse, Workshops, Masterclasses, Lectures, Demonstrationen und Artist Talks eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Welt von LUNASON. Dabei geht es nicht darum, eine einzige richtige Spielweise zu vermitteln. Im Gegenteil. Wir möchten Neugier erzeugen. Wie hört sich ein Material an? Was geschieht, wenn ein Instrument anders gespielt wird als erwartet? Wie verändert sich unsere Wahrnehmung, wenn Klang nicht aus einem Lautsprecher, sondern aus einem resonierenden Körper kommt? Wie kann aus gemeinsamer Klangforschung Musik entstehen? Lernen bedeutet hier Entdecken. RESIDENCIES Neue Instrumente lassen sich nicht vollständig durch Beschreibungen kennenlernen. Man muss Zeit mit ihnen verbringen. Deshalb laden die LUNASON Residencies Komponistinnen, Komponisten, Musikerinnen, Musiker und andere Kunstschaffende dazu ein, mit dem Instrumentarium zu arbeiten. Ohne unmittelbaren Aufführungsdruck. Ohne die Erwartung eines fertigen Ergebnisses. Eine Residency kann zu einer Komposition führen. Zu einer Studie. Zu einer neuen Spieltechnik. Zu einer Aufnahme. Zu einer Zusammenarbeit. Oder zu einer Frage, die vorher noch niemand gestellt hat. Auch das ist ein Ergebnis. METASONIC FORMATS LUNASON existiert nicht nur im Studio. Mit den Metasonic Formats bringen wir Instrumente, Klangforschung und musikalische Praxis in unterschiedliche Zusammenhänge. Konzerte, Performances, Workshops, Educational Formats, Präsentationen, Corporate Events, Artistic Residencies und speziell entwickelte Projekte können aus demselben Instrumentarium völlig unterschiedliche Erfahrungen entstehen lassen. Dabei bleibt die zentrale Idee dieselbe: Menschen sollen Klang nicht nur hören. Sie sollen ihm begegnen. ZUSAMMENARBEIT Keines dieser Instrumente entsteht allein. LUNASON ist das Ergebnis eines Netzwerks aus Musikerinnen und Musikern, Instrumentenbauern, Ingenieuren, Metallbauern, Handwerkern, Komponisten, Forschenden, Institutionen und Menschen, die bereit sind, Unbekanntes auszuprobieren. Das Wissen des Handwerks ist dabei ebenso wichtig wie das Wissen der Wissenschaft. Die Erfahrung eines Musikers ebenso wie eine technische Zeichnung. Ein intuitiver Eindruck ebenso wie eine Messung. Wir glauben an diese Verbindung. Denn Innovation entsteht häufig genau dort, wo unterschiedliche Wissenswelten aufeinandertreffen. HANDWERK UND TECHNOLOGIE LUNASON arbeitet mit den Möglichkeiten unserer Zeit, ohne die Herkunft des Instrumentenbaus zu vergessen. Schneiden, Biegen, Schweißen, Drehen, Schleifen, Stimmen und Formen stehen neben 3D-Konstruktion, digitaler Fertigung, elektronischer Klangerzeugung, Messung und Simulation. Technologie ist für uns kein Selbstzweck. Sie ist Werkzeug. Wie ein Hammer. Wie ein Bogen. Wie ein Schlägel. Entscheidend bleibt das Ergebnis: Klingt es? Berührt es? Eröffnet es etwas, das vorher nicht möglich war? DAS INSTRUMENT ALS KULTURELLES OBJEKT Ein Musikinstrument ist mehr als ein Werkzeug zur Klangerzeugung. Es trägt das Wissen seiner Zeit in sich. Materialien. Technologien. Ästhetische Vorstellungen. Körperbilder. Musikalische Praktiken. Die Instrumente von LUNASON verstehen wir deshalb auch als kulturelle Objekte unserer Gegenwart. Sie erzählen davon, wie wir heute Klang denken. Und vielleicht werden sie eines Tages davon erzählen, wie unsere Zeit gehört hat. FOR THE MUSIC OF OUR TIME LUNASON ist kein abgeschlossenes System. Es ist eine Bewegung. Instrumente führen zu Kompositionen. Kompositionen führen zu neuen Fragen. Fragen führen zu Forschung. Forschung führt zu neuen Instrumenten. Aus Instrumenten entstehen Resonatoren. Aus Resonatoren entstehen Räume. Aus Räumen entstehen neue Formen des Hörens. Aus Wissen entstehen Editions. Aus Erfahrung entsteht Academia. Aus Begegnung entstehen Residencies und neue künstlerische Formate. Alles gehört zusammen. Unser Ziel ist nicht, vorherzusagen, wie die Musik der Zukunft klingen wird. Unser Ziel ist, ihr die Instrumente, Räume und Möglichkeiten zu geben, die sie braucht. Wir entwickeln, weil wir hören wollen, was noch nicht gehört wurde. Wir forschen, weil Klang niemals vollständig verstanden ist. Wir bauen Instrumente, weil Musik sich weiterentwickelt. Wir schaffen Räume, in denen Neues entstehen kann. Das ist LUNASON. FOR THE MUSIC OF OUR TIME. Domenico Melchiorre Founder & Artistic Director LUNASON · 2026

MANIFEST 2020

THE LUNASON SOUND
SINGING MATERIAL, LIVING SOUND

The sounds of Lunason are anti-academic sounds! The sounds of the instruments designed by Domenico Melchiorre represent the finest contemporary transition to the integral sound music of a present that is already the future. Metals are worked, warped, shaped, hewn, shocked, tortured, and finally attached to a base and chrome-plated. In this way, they become instruments that produce vibrating sounds. They become song, harmony, a phenomenon of sound perception; they tell stories of rhythms and spaces, they can be seen as a pure spectrum of sound. They generate energy, direction, and relationships between parts. The Lunason instruments are further developments of ancient instruments: mallets, whistles, drums, and scrapers. They are musical instruments with an original design. They are objects and tools that have transformed their lives and functions. Over time, they have become sound instruments. Witnesses to the beauty and mastery of these instruments, singing matter, living sound. The instruments Nicophone, Pyrablock, Kawaphone, Sixxen, Spica, Gaiabells, Bassdesmophone, and all the Lunason instruments yet to come—are “persons.” Persons of trade and skill. They are “creators of sound life,” living and intellectual beings composed of special alloys; of a material that is inherently poor and made valuable by the work that has shaped, tormented, and torn it apart. They are unique creations, artfully designed for musicians and listeners. They are “wonderful objects,” and the real people who use the sound worlds through these instruments are their “appendages.” They are “objects of acoustic, physical, mathematical, and musicological investigation,” universals of sound experience, symbols of an anthropology in which nature and culture merge. Lunason instruments are therefore to be considered “cultural heritage.” These objects, like any musical instrument, relate to a relationship that the musician attempts to establish between themselves and the sonic material, which they directly manipulate with their physicality. They draw upon various fields of human knowledge: archaeology, philosophy, physics and engineering, geography, iconology, paleoanthropology, psychology, religion, sociology, and history. These instruments of "music-making" should be viewed primarily as subjects, as living products of Domenico Melchiorre, a refined craftsman, builder, and theorist. They are also "noble" objects that should be preserved and analyzed within the framework of specific studies and musical institutions. Lunason instruments are symbols of civilization and of a changing society. This society has reached the extreme limit of a historical saturation, fraught with contradictions and trapped in the absolute dominance of technology. Lunason instruments are sources of information that, also in aesthetic terms, have harnessed the fascination of an iconological and iconographic approach to organology. They open pathways to auditory perception and expand them until the original richness of the sound world is rediscovered—an infinite universe of sounds that expands and which we could call the primal world of sound. They possess a specific character that highlights the poetic quality that can emanate from a musical instrument: the origin of musical language and the enigma in the creation of art. Prof. Francesco Maria Paradiso, Milan 2020

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